Waldbautag in Neuhof an der Zenn

Strategien für eine klimaresiliente Waldbewirtschaftung

Im Rahmen der Initiative boden:ständig des Amtes für Ländliche Entwicklung Mittelfranken führte das GeoTeam Bayreuth gemeinsam mit dem AELF Fürth-Uffenheim am 12. Juni den ersten Waldbautag in Unterfeldbrecht durch.

Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und wurde von zahlreichen Land- und Forstwirtinnen und Forstwirten, Bürgerinnen und Bürgern aus dem Projektgebiet sowie der Ersten Bürgermeisterin Claudia Wust, dem Zweiten Bürgermeister Manfred Pöhmerer und weiteren Gemeindevertreterinnen und -vertretern besucht.

Der Waldbautag vermittelte sowohl die Auswirkungen des Klimawandels aus waldbaulicher Sicht als auch praxisnahe und wirtschaftliche Ansätze für eine klimaresiliente Waldbewirtschaftung. Gleichzeitig wurde die Bedeutung des Waldes für den Landschaftswasserhaushalt verdeutlicht.
Nach der Begrüßung durch Felix Gleißner (GeoTeam), Benedikt Siegel (AELF Fürth-Uffenheim, Waldumbauoffensive) und Bürgermeisterin Wust sowie einem Grußwort von Stefan Stirnweiss (Abteilungsleiter Forsten, AELF Fürth-Uffenheim) ging es ins Gelände. Dort waren mehrere Stationen für die rund 20 Teilnehmenden vorbereitet.

An der ersten Station wurde gemeinsam mit den Teilnehmenden eine Bodenprobe mittels Bohrstock entnommen und analysiert. Dabei zeigte sich eine sehr dünne Streuschicht, gefolgt von mehr als 30 Zentimetern schluffigem Sand, der mit zunehmender Tiefe gröber wurde und schließlich in 54 Zentimetern Tiefe in festen Sandstein überging. Neben dem Wasserhaushalt wurden auch die Nährstoffverfügbarkeit und Basensättigung thematisiert, die ab etwa 45 Zentimetern Tiefe deutlich anstiegen. Die daraus resultierenden waldbaulichen Konsequenzen wurden anschaulich erläutert.

Anschließend stellten die Förster die Methode des Nelderrades vor und markierten gemeinsam mit den Teilnehmenden das innovative Pflanzschema. Die strahlenförmige Pflanzmethode mit Ziel- und Trainerbäumen wird bereits in mehreren Regionen Mittelfrankens erfolgreich angewendet. Besonders ist die Kombination aus einem rund 900 Quadratmeter großen Lochhieb und einer anschließenden Pflanzung von lediglich 33 Bäumen. Durch mehrere solcher kleinräumigen Waldumbaumaßnahmen kann schachbrettartig ein stabiler Wald entstehen – ohne großflächige Eingriffe, mit überschaubarem Zaunaufwand und vergleichsweise geringen Anfangsinvestitionen.

An der zweiten Station wurde anhand des Wurzeltellers einer durch die Schneelast des vergangenen Winters umgeworfenen Kiefer ein weiteres Bodenprofil besprochen. Nur etwa 200 Meter von der ersten Station entfernt zeigte sich ein völlig anderer Standort mit schwerem Lehmboden. Diese kleinräumigen Unterschiede stellen Waldbesitzende bei der Wahl geeigneter Baumarten vor besondere Herausforderungen. Benedikt Siegel erläuterte verschiedene Strategien für eine erfolgreiche Pflanzung sowie die Bedeutung unterschiedlicher Wurzelcharakteristika.

Felix Gleißner ging zudem auf den sogenannten „kleinen Wasserkreislauf“ und die vielfältigen Funktionen des Bodens ein. Dieser dient nicht nur als Produktionsgrundlage für Land- und Forstwirtschaft, sondern spielt auch eine zentrale Rolle bei der Trinkwassergewinnung, dem Wasserrückhalt und als Kohlenstoffsenke.

An weiteren Stationen standen die forstliche Erschließung und ihre Bedeutung für Bodenschutz und wirtschaftliche Holzernte im Mittelpunkt. Ein gut geplantes Gassensystem bildet die Grundlage für eine bodenschonende Bewirtschaftung, bei der möglichst wenig Fläche befahren wird. Nur ein gesunder und unverdichteter Waldboden kann seine vielfältigen Funktionen dauerhaft erfüllen.
Darüber hinaus erläuterten die Referenten das Grenzsystem im Wald und beantworteten Fragen zu Unterstützungsangeboten der Verwaltung. Felix Gleißner stellte Instrumente der Ländlichen Entwicklung wie Waldwegebau und Waldneuordnung vor. Die Teilnehmenden sahen im rund 175 Hektar großen, kleinparzellierten und nur unzureichend erschlossenen Projektgebiet erheblichen Handlungsbedarf.

Anschließend besuchte die Gruppe einen Bestand mächtiger Eichen. Unter deren Schirm demonstrierte Benedikt Siegel die Fördermöglichkeiten und die praktische Anlage eines Wildlingsbeetes. Innerhalb einer bis zu 100 Meter langen förderfähigen Umzäunung kann sich Naturverjüngung ohne Wildverbiss entwickeln. Die jungen Bäume können später als kostengünstiges Pflanzmaterial mit standortangepasster Genetik an anderer Stelle verwendet werden.
In diesem Zusammenhang ging das Team der Forstverwaltung auch auf die Themen Zwillingsregionen und unterstützte Wanderung („Assisted Migration“) ein. Diskutiert wurden die Risiken etablierter Baumarten unter veränderten Klimabedingungen sowie mögliche Alternativen wie Zerreiche, Edelkastanie oder Manna-Esche.

Anhand aktueller Auswertungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg auf Grundlage der Sentinel-Satellitenmissionen unterstrich Felix Gleißner die Dringlichkeit des Waldumbaus. Im Projektgebiet wurden zwischen 2017 und 2025 Kronendachverluste von sechs bis zwölf Prozent festgestellt. Im nahegelegenen Trautskirchen lagen die Verluste im selben Zeitraum sogar zwischen zwölf und 18 Prozent.

Der Waldbautag war insgesamt ein voller Erfolg. Die Teilnehmenden zeigten großes Interesse, und auch zwischen den einzelnen Stationen entwickelte sich ein intensiver fachlicher Austausch. Erfahrungen wurden geteilt, Fragen diskutiert und konkrete Maßnahmen für die eigenen Waldflächen besprochen.

Das GeoTeam bedankt sich für den lebhaften Austausch sowie bei den Mitveranstaltern und Unterstützern, insbesondere bei Benedikt Siegel und Stefan Stirnweiss, sowie Florian Thiem und Revierförster Simon Windl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim für die fachliche Unterstützung und die gelungene Durchführung der Veranstaltung.


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